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„Europas Rechts-KI für Österreich“

Dr. Clara Herdeanu

Ein Gespräch mit MANZ und Noxtua über digitale Souveränität und ihre Relevanz für das Rechtswesen in Österreich

Wie viel Europa steckt in der Zukunft der juristischen Arbeit? Und was bedeutet es, wenn ein traditionsreicher Verlag wie MANZ mit einem KI-Scaleup wie Noxtua gemeinsame Sache macht? Wir haben mit Mag. Susanne Stein-Pressl (Geschäftsführende Gesellschafterin, MANZ) und Dr. Leif-Nissen Lundbæk (CEO & Co-Founder, Noxtua) über MANZ-Noxtua gesprochen, die neue Rechts-KI für Österreich und ein Baustein für Europas digitale Souveränität. 

Europa im KI-Wettrennen: Warum braucht es eine eigene Rechts-KI? 

Leif-Nissen Lundbæk (Noxtua): 

Juristische Informationen sind das Fundament unserer Demokratie. Wenn wir diese Daten und die Systeme, die sie verarbeiten, an außereuropäische Anbieter abgeben, verlieren wir die Kontrolle über zentrale Pfeiler des Rechtsstaats wie Datenschutz, Vertraulichkeit, Transparenz. 

Digitale Souveränität bedeutet, dass Europa seine juristischen Infrastrukturen selbst gestaltet und betreibt. Das ist nicht nur eine technische, sondern eine demokratische Frage. 

Susanne Stein-Pressl (MANZ): 

Ein europäischer Anbieter kann nur dann souverän agieren, wenn er die Kontrolle über seinen Wissensschatz sowie dessen laufende Pflege selbst behält. Der Rechtsbereich, als Grundpfeiler unserer europäischen Demokratien mit seinen starken nationalen Besonderheiten, ist dabei in besonderem Fokus. Gerade hier müssen Vertrauen und Transparenz an erster Stelle stehen. 

MANZ steht seit mehr als 175 Jahre für diese Werte. Wir verstehen uns als Stütze des Rechtsstaats, indem wir der Öffentlichkeit verlässliche und valide Rechtsinformation zur Verfügung stellen. 

Was unterscheidet MANZ-Noxtua von generischen KI-Systemen? 

Leif: 

MANZ-Noxtua ist kein Chatbot, sondern ein komplettes juristisches KI-System: mit souveräner Infrastruktur, mit exklusiven juristischen Daten trainierten spezialisierten Modellen und einem eigenen Interface, das ganz auf die spezifischen Bedürfnisse von Rechtsanwender*innen zugeschnitten ist Das System versteht juristische Termini, Argumentationslogiken und österreichische Rechtsstrukturen.  

Bedeutet das, dass MANZ-Noxtua juristische Arbeit ersetzen soll? 

Leif: 

Ganz im Gegenteil. Es geht darum, Jurist*innen zu entlasten und Routineaufgaben zu automatisieren. Es geht ganz dezidiert nicht darum, die Menschen zu ersetzen. Die KI übernimmt die Fleißarbeit -- und die Menschen dahinter gewinnen so neue Ressourcen für juristische Kernaufgaben. 

Susanne: 

Seit jeher haben unsere Produkte die juristische Arbeit unterstützt, waren also strenggenommen Werkzeuge für die menschliche Anwendung. Dies war beim gedruckten Buch so und bleibt auch bei der Rechtsrecherche mithilfe von künstlicher Intelligenz so. Um mit den KI-generierten Ergebnissen arbeiten zu können, braucht es menschliche Intelligenz und Expertinnenwissen in allen Etappen des Schaffensprozesses. Angefangen beim intelligenten, fundierten Prompting über die Kontrolle der KI-generierten Ergebnisse, das iterative Nachschärfen und in Folge die Anwendung in der juristischen Praxis. Die KI beschleunigt diese Arbeitsschritte natürlich und macht den Arbeitsalltag effizienter. 

Was macht die Partnerschaft zwischen Verlag und KI-Unternehmen so besonders? 

Susanne: 

Wir kennen die Arbeitsweisen, Wünsche und Bedürfnisse der österreichischen Rechtsanwender*innen bis ins Detail. Seit Jahren beziehen wir unsere Kundinnen und Kunden über Fokusgruppen beispielsweise auch in die Produktentwicklung mit ein, Stichwort „Co-Creation“. Unsere traditionelle Nähe zum Markt trifft auf die frische technologische Expertise von Noxtua. Damit profitieren wir voneinander. 

 Leif: 

Es ist eine Symbiose von Tradition und Technologie. MANZ verfügt über einen Datenschatz, der den österreichischen Rechtsmarkt präzise abbildet. Noxtua bringt die Plattform und das KI-Know-how mit, um diese Inhalte intelligent nutzbar zu machen. 

Wir arbeiten auf Augenhöhe, mit klarem Fokus auf Qualität, europäische Werte und juristische Präzision. 

Österreich gilt als anspruchsvoller Rechtsmarkt. Wie spiegelt sich das in der Entwicklung von MANZ-Noxtua wider? 

Susanne: 

Unsere Kundinnen und Kunden arbeiten seit Jahrzehnten mit Datenbanken wie der RDB, die 2026 übrigens ihr 40-jähriges Jubiläum feiert, oder nun auch Genjus KI, einem KI-gestützten Rechtsrechercheassistenten, den wir vor einigen Monaten sehr erfolgreich auf den Markt gebracht haben. Die digitale Recherchekompetenz ist also seit Generationen ausgeprägt vorhanden. MANZ-Noxtua als umfassender Legal AI Workspace kann als nächste Evolutionsstufe betrachtet werden, wo Recherche, Analyse und Dokumentenerstellung direkt und bequem in einem System anstelle von vielen verschiedenen passiert. Dies alles unter Berücksichtigung der hohen Anforderungen unserer Zielgruppe. 

Leif: 

Die Anforderungen in Österreich sind hoch, gerade in Bezug auf Datenschutz, Berufsgeheimnis. Deshalb war klar:  Wir legen die Latte sehr hoch. MANZ-Noxtua ist DSGVO-konform, erfüllt die Vorgaben des § 40 Abs. 3 RL-BA 2015 und läuft auf souveräner europäischer Infrastruktur. Und souveräne Infrastruktur heißt hier nicht nur, dass die Rechenzentren geografisch in Europa liegen, sondern dass sie auch von europäischen Unternehmen stammen, wie z.B. IONOS. Damit sind wir komplett unabhängig von US-amerikanischen Hyperscalern. 

Wie wurde MANZ-Noxtua entwickelt und wie fließt Nutzerfeedback ein? 

Susanne: 

Viele Anforderungen waren uns bereits aus der Entwicklung von Genjus KI bekannt, den wir in einem monatelangen „Early Access Test“ von rund 4.700 Jurist:innen auf Herz und Nieren prüfen haben lassen. Auch seit dem Markteintritt sammeln wir Feedback und Wünsche unserer Kundinnen und Kunden. Wie oben bereits erwähnt, ist die Einbeziehung unserer Anwender:innen in die Produktentwicklung für uns zentral, so natürlich auch bei der Entwicklung von MANZ-Noxtua. Schließlich möchten wir dem österreichischen Markt ein speziell dafür qualifiziertes Werkzeug bieten. 

Leif: 

Gemeinsam mit MANZ können wir konsequent nutzerzentriert entwickeln. Das bedeutet: Wir binden Jurist*innen von Anfang an in die Entwicklung ein. Jede Funktion entsteht aus realen Workflows. 

Das Ziel ist, juristische Denkweise in Technologie zu übersetzen, also eine KI, die versteht, warum ein Argument schlüssig ist, nicht nur, dass es im Text steht. Aus unserer Sicht ist genau diese Kombination aus tiefgehendem KI-Knowhow, das wir mitbringen, und hochwertigen juristischen Datenschutz plus jahrhundertealter Erfahrung im Rechtswesen sehr erfolgsversprechend. Und wenn man so will, ruht dieser kollaborative Allianzgedanke ja auch ganz in Europas Wurzeln. 

Wie funktioniert nun MANZ-Noxtua konkret? 

Leif: 

Im Kern ist MANZ-Noxtua ein Legal AI Workspace, also eine Plattform, die alle zentralen Aufgaben bündelt: 

  • Juristische Recherche in natürlicher Sprache mit Zugriff auf Fachliteratur, Judikatur und Gesetze 

  • Dokumentenanalyse mit automatischer Auswertung und Matrixfunktionen 

  • Dokumentenerstellung – etwa von Schriftsätzen, Verträgen oder Memos 

  • Integration eigener Dokumente und nahtlose Einbindung in Workflows 

  • Volle DSGVO-Konformität und höchste Sicherheitsstandards 

Kurz gesagt: MANZ-Noxtua ist juristische Arbeit, aber auf dem innovativsten technologischen Stand. 

Wie unterscheidet sich MANZ-Noxtua von den großen US-Anbietern? 

Susanne: 

Die Kernkompetenz von MANZ liegt in unserem tiefen Verständnis für juristische Inhalte und in der präzisen, qualitätsgesicherten Aufbereitung dieser Inhalte für KI-Anwendungen. Das Ergebnis dieser Kompetenz ist unsere eigene Wissensdatenbank, in der wir Know-how, Struktur und Kontext unseres Verlagswissens so zusammenführen, dass KI-Systeme sie verlässlich und rechtskonform nutzen können. Diese Fähigkeit geben wir bewusst nicht außer Haus – eine klare strategische Entscheidung. Denn nur wenn wir die Kontrolle über Inhalt, Struktur und Verarbeitung behalten, können wir sicherstellen, dass unsere Daten den hohen Anforderungen des österreichischen Rechts entsprechen; bei anderen Anbietern wäre dies nicht gewährleistet. Damit verbinden wir auch ein klares Versprechen an Österreichs Rechtsanwender*innen: MANZ-Inhalte stehen für Verlässlichkeit und Qualität, auch in einer KI-basierten Arbeitsumgebung. 

Leif: 

Es ist eine europäische Antwort auf ein globales Problem. Während viele US-Modelle mit öffentlichen Webdaten trainiert werden, arbeiten wir ausschließlich mit kuratierten, juristisch hochwertigen Inhalten, also mit Wissen, das geprüft, strukturiert und juristisch autorisiert ist. 

Außerdem bleibt die Kontrolle über Infrastruktur und Daten in Europa. Das ist ein ganz entscheidender und fundamentaler Unterschied. Denn spätestens seit der Anhörung des französischen GC von Microsoft im Sommer im Jahr 2025, muss die Situation eigentlich allen klar sein: Er hat dort unter Eid ja eben gesagt, dass er es nicht garantieren kann, dass Kundendaten aus der EU nicht in die USA abfließen. Wer dann weiterhin noch die KI-Infrastruktur der US-Hyperscaler nutzt, kann sich zumindest nicht mehr darauf berufen, man habe dies nicht gewusst. 

Nach Beck-Noxtua in Deutschland nun MANZ-Noxtua in Österreich – wohin geht die Reise? 

Leif: 

Unser Ziel ist ein DACH-weites Angebot, das juristische Fachinformationen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zusammenführt – und dennoch nationale Besonderheiten respektiert. 

Beck-Noxtua, MANZ-Noxtua und Swiss-Noxtua, was wir parallel mit dem Helbing Lichtenhahn Verlag entwickeln, sind Bausteine dieses europäischen Rechts-KI-Angebots. 

Also eine Art „europäische Alternative“ zu globalen Legal-Tech-Plattformen? 

Leif: 

Genau. Wir bauen ein europäisches Ökosystem, das auf Werten wie Datenschutz, Transparenz und Rechtsstaatlichkeit basiert. Das ist mehr als Technologie – das ist digitale Souveränität in Aktion. 

Wie fügt sich MANZ-Noxtua in die europäische KI-Landschaft ein, auch im Verhältnis zu Konkurrenten? 

Susanne: 

Unser USP ist unsere MANZ Wissensdatenbank, bestehend aus Millionen von geprüften juristischen Dokumenten. Unsere Autor:innen gehören zu den besten Jurist:innen des Landes, Expert:innen aus Wissenschaft und Praxis. Das verschafft uns in der immer größer werdenden Landschaft der Anbieter von juristischer KI einen entscheidenden Vorteil. Wir bieten nicht nur die Technologie, sondern auch die Datenbasis dahinter. Mehr als das: Eine Datenbasis, auf die sich die Anwender:innen inhaltlich verlassen können. 

Leif: 

Wir verstehen uns als Teil des europäischen KI-Ökosystems. Während Konkurrenten oftmals auf generische Modelle setzen, beschreiten wir einen anderen Weg.  

Ich bin überzeugt davon, dass wir in Europa über das technologische Wissen sowie die akademische Tiefe verfügen, um spezialisierte KI-Systeme für Europa zu erstellen.   

Jurist*innen brauchen mehr als nur eine Einheitslösung. 

Und was bedeutet all das für die Zukunft der juristischen Arbeit in Europa? 

Susanne: 

Wir müssen Europas Stärken selbstbewusst nutzen: Fachkompetenz, Qualitätsbewusstsein und Werteorientierung. Im Vergleich zu großen globalen Playern können wir auch als mittelständisches Unternehmen in strategischen Allianzen viel bewegen. Unsere Zukunft liegt in starken Netzwerken innerhalb Europas. MANZ-Noxtua ist ein wichtiger Schritt in diese Richtung. 

Leif: 

Die Zukunft ist vernetzt, aber souverän. Wir schaffen die Grundlage dafür, dass europäische Jurist*innen mit modernen Werkzeugen arbeiten können, ohne Abhängigkeiten von außereuropäischen Systemen. 

Ein österreichisches Produkt mit Signalwirkung 

Mit MANZ-Noxtua entsteht nicht nur eine neue juristische Plattform, sondern ein Symbol für den europäischen Weg in der KI-Entwicklung. Kooperation statt Abhängigkeit und Souveränität statt Fremdbestimmung. 

Wenn die Zukunft des Rechts digital ist, dann beginnt sie hier, in Wien und Berlin.